Bettina Schraps – Pferdeverhaltenstrainer – wer braucht denn sowas?

Bettina Schraps mit Fohlen

August 28, 2026

Die etwas andere Projektvorstellung von Bettina

Von Bettina erscheinen in regelmäßigen Abständen Kolumnen in Pferdesportmagazinen. Sie schreibt in ihren Kolumnen über ihre tägliche Arbeit mit den Pferden sowie die Ziele ihrer Arbeit mit den Pferden. In der ersten Kolumne geht es um ihre Motivation zur Ausbildung zur Pferdeverhaltenstrainerin am Institut für Verhalten und Kommunikation (IVK).

Kolumne 1

Bettina Schraps ist Pferdewirtschaftsmeisterin Klass. Reitausbildung, Trainer A Leistungssport und hat an der Uni Göttingen Pferdewissenschaften (M. Sc.) studiert.

Für unsere Leser sucht sie in ihrer einjährigen Ausbildung zur Pferdeverhaltenstrainerin am Institut für Verhalten und Kommunikation (IVK) in Einbeck Antworten auf Fragen, die die aktuelle Entwicklung im Pferdesport aufwirft. 

Rechts und links des Reitsports schießen Expertenrollen wie Pilze aus dem Boden. Da gibt es das klassische Feld der Berufsreiter mit verschiedenen Tätigkeitsfeldern. Schmied und Tierarzt sowie Sattler mit allen Möglichkeiten der Spezialisierung sind seit Jahrhunderten an der Seite von Pferdesport und Pferdezucht.

Mit dem Beginn der Industrialisierung wandelten sich die Bestimmung des Pferdes vom Arbeitstier zum Freitzeitpartner und die Rolle des Menschen in dessen Leben. Gleichzeitig benötigen immer mehr Menschen mit Pferden Hilfe von Pferdemenschen oder denen, die sich dafür halten. Der virtuelle Raum des Internets degradiert zum Safespace der Realitätsscheuen. 

Die deutsche Reitlehre ist in allen Aspekten von Trainingslehre und Pädagogik schlüssig aufgebaut und nimmt für sich in Anspruch, mit der Natur des Pferdes zu arbeiten. Das findet aber nicht unbedingt seine Fortsetzung auf deutschen Turnierplätzen, obwohl es die logische Konsequenz und Erwartung sein müsste. Und während die UNESCO eben jene Reitlehre zum immateriellen Kulturerbe erhebt, fordern Tierschutzorganisationen die Abschaffung des Reitsports. Der Pferdesport steht massiv in der Kritik. Da hilft auch kein bemühtes Hashtagwortspiel doitride … wenn es nun mal nicht „right“ ist. Und das gilt für den Sport- ebenso wie für den Freizeitreiter.

Zur Beurteilung des Pferdewohls besteht die absolute Notwendigkeit aller Beteiligten, sich intensiv und wissenschaftlich fundiert mit den Ansprüchen des Pferdes an Haltung und Nutzung auseinanderzusetzen, seine Mimik und Gestik zu kennen und sein Verhalten ethologisch sicher einzuordnen. Keinesfalls helfen an dieser Stelle vermenschlichende Interpretationen, verbunden mit dem Irrglauben, dass wir wüssten, was unser Pferd denkt. 

Dass an den Umgang mit 600 kg Fluchttier ein Gehorsamsanspruch gestellt werden muss, ist unstrittig. Erlaubt ist jedoch die Frage, wie der Gehorsam trainiert wird. Hat ein Pferd, das drei Wochen mit fragwürdigen Methoden „kuriert“ wird, die Einsicht zu gehorchen?

Oder fügt es sich in eine erlernte Hilflosigkeit, die sich zu einem anderen Zeitpunkt unerwartet entlädt oder ihr Ventil in Verhaltensauffälligkeiten oder Magengeschwüren findet? Wie gewaltfrei kann Pferdeausbildung sein? Sind Druck und Zwang das Gleiche?

Können wir uns die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Lernverhalten des Pferdes zunutze machen? Oder liegen sie nicht den Ursprüngen der deutschen Reitlehre schon immer zugrunde? An welcher Stelle ist ihre Bedeutung verschütt gegangen? 

„Ich habe einen Traum,“ dass das Ziel dieser Ausbildung nicht ist, „Problempferde“ besser zu therapieren, sondern präventiv an einem Strang mit Zucht und Sport zu ziehen, diese Probleme weniger zu haben.

Ich würde mich über einen Kommentar sehr freuen.

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