Rückblick und Einblicke in meine Arbeit – 2. Quartal 2025
Im zweiten Quartal 2025 konnte ich erste Kurse rund um das Verhalten von Pferden in Stallgemeinschaften und Vereinen erfolgreich terminieren. Darüber hinaus durfte ich einige Pferdebesitzer:innen individuell begleiten – mit Beratung, Training und alltagsnaher Unterstützung.
Kurs-Schwerpunkte im dritten Quartal
Im Fokus der Kurse des dritten Quartals stehen das Lernverhalten von Pferden – sowohl theoretisch als auch praktisch – sowie Raumwahrnehmung und gezielte Bodenarbeitsübungen. Mit Blick auf das jeweilige Exterieur sowie mögliche „Baustellen“ entwickeln wir gemeinsam individuelle, sinnvolle Übungsansätze für jedes Teilnehmerpferd.
Besonders wichtig ist mir dabei: Jedes Pferd wird als individuelles Wesen betrachtet und erhält seinen eigenen, passenden Trainingsweg. Ziel ist, dass die Besitzer:innen bzw. Reitbeteiligungen die erarbeiteten Übungen selbstständig anwenden und die Reaktionen ihrer Pferde bewusst beobachten lernen. Gemeinsame Reflexion, Zielsetzung und das Erarbeiten eines individuellen Weges stehen im Mittelpunkt.

Einblicke in die Praxis
„Mister B.“ – Der herausfordernde Tinker
Ein besonders eindrücklicher Fall war „Mister B.“, ein sechsjähriger Tinker, der seine Besitzerin bereits mehrfach verletzt hatte (u. a. Arm- und Fußbrüche durch gezielte Tritte). Er zeigte sich sowohl im Offenstall als auch bei der Arbeit unberechenbar. Auf einem Trail-Lehrgang schlug er plötzlich aus – ein Vorfall, den die Besitzerin bereits erahnte und mit einer schnellen Reaktion verhindern konnte. Ihre frühere Ausbildung bei der Bundeswehr (Schnelligkeit, Körperbeherrschung) kam ihr dabei zugute.
Nach Sichtung eines Videos und einem ersten Kennenlernen konnten wir zielgerichtet an den Ursachen arbeiten. Hauptursache für das aggressive Verhalten war die unstrukturierte, hektische Energie der Besitzerin – vor allem in stressbelasteten Alltagssituationen. Wir entwickelten Übungen, mit denen sie gezielt in die Ruhe und Selbstwahrnehmung finden konnte.
Bereits nach einer Woche traten keine gefährlichen Situationen mehr auf. Die Besitzerin kann ihr eigenes Energielevel nun besser einschätzen und bewusster regulieren - ein enormer Schritt, den wir weiterhin begleiten.
"Mae" - die junge Stute und der Anhänger
Mae, eine vierjährige Warmblutstute mit dressurbetonter Ausbildung, weigerte sich nach Auswärtstrainings oder Turnieren konsequent, auf den Anhänger zu gehen. Sie war dabei nicht widersetzlich, sondern schlicht überfordert - es gab keine Minute ohne Anforderung wenn sie unterwegs waren.
Eine einfache, aber nachhaltige Lösung bestand darin, der Stute nach dem Training eine mentale Pause zu gönnen: 15 grasen, entspannen, sortieren, kauen. Alternativ erhält sie ein Heunetz am Hänger, bevor sie verladen wird - seither völlig problemlos.
"Sintonia und das Hallentor" - Angst, die ansteckt
Sintonia, eine 13-jährige Stute, zeigte beim Reiten am Hallentor deutliche Angstreaktionen: Kopf hochreißen, Ausbrechen, Umkehren. Auffällig war, dass dieses Verhalten nur mit der Besitzerin auftrat - nicht mit der Reitbeteiligung.
Gemeinsamen gingen wir der Ursache auf den Grund: Ein traumatisches Erlebnis durch einen Ball, der vor Jahren durch das Tor flog, hatte sich tief eingebrannt. Die Besitzerin reagierte seither mit unbewusster Anspannung auf äußere Reize - etwa vorbeifahrende Autos oder spielende Kinder. Die Reitanlage liegt direkt neben einem Sportplatz.
Wir wählten zunächst ruhige Zeiten für das Training und begannen mit Bodenarbeit in Tor-Nähe: Rückwärtsrichten, HH-/VH-Verschiebung, bewusste Kopffreiheit, Energiebeobachtung. Später ergänzten wir gymnastizierende Übungen mit Pylonen und Stangen. Die Angst wandelte sich langsam in mehr Selbstverständlichkeit und Vertrauen. Auch hier bleiben wir dran.
"Donni Luxe" - Die große Feine
Donni, eine große, zehnjährige Fuchsstute, wurde mir zur physiotherapeutischen Behandlung vorgestellt. Bereits beim ersten Kontakt zeigte sie sich skeptisch und sehr nervös. Der Weg zur Reithalle über den Hof sowie das anschließende Vorführen waren geprägt von starkem Ziehen und erheblichem Köpereinsatz des Besitzers. Der Umgang wirkte insgesamt grob, Donni stand sichtlich unter Anspannung, war auf "Habacht-Stellung" und wirkte eingeschüchtert.
Noch vor Beginn der Behandlung wurde deutlich: Sowohl der Besitzer als auch seine Frau hatten inzwischen Angst vor der Stute entwickelt. Sie berichteten von plötzlichem Losbocken, starker Widersetzlichkeit unter dem Sattel, Problemen an der Longe - Donni ziehe dabei nur nach außen - sowie von einem fast unkontrollierbaren Verhalten beim Weg zur Koppel. Da sie aktuell lahmte und zum Verkauf stand, wurde sie mir vorgestellt.
Da ich die gespannte, verunsicherte Energie der Besitzer deutlich wahrnahm, bat ich sie, kurz die Halle zu verlassen und mir die Stute zu übergeben - unter diesen Voraussetzungen war eine physiotherapeutische Arbeit nicht möglich. Ich bleib zunächst einfach ruhig neben Donni stehen, hielt Abstand und blieb bewusst entspannt. Nach ein bis zwei Minuten wagte ich einen Versuch: mit einer leichten Berührung vor dem Widerrist prüfte ich, ob sie den Kopf senken konnte. Anfangs zögerlich, folgte sie schließlich dem minimalem Druck am Halter, senkte den Kopf und schnaubte deutlich ab.
Mit feinster Körpersprache und kaum spürbarer Energie ließ sie sich sofort an der Hinterhand in beide Richtungen verschieben - ebenso an der Vorhand. Dabei ruhig und aufmerksam, aber nicht nervös. Auch rückwärts trat sie weich zurück. Bereits beim ersten Gehen passte sie sich meinem Tempo an und suchte von sich aus Kontakt.
Die Besitzer beobachteten die gesamte Sequenz von der Bande aus - und konnten unmittelbar nachvollziehen, wie stark sich das Verhalten der Stute veränderte, sobald man ihr mit Ruhe, Klarheit und feinen Signalen begegnete. Seitdem arbeiten wir gemeinsam drei Mal pro Woche am Aufbau von Vertrauen und an leiser, achtsamer Kommunikation - etwas, worauf diese große, aber sehr sensible Stute besonders gut anspricht.
Die Besitzer reflektieren ihr eigenes Verhalten im Umgang miteinander und bringen ihre Beobachtungen aktiv ins Training ein. Ob Donni letztendlich verkauft wird, bleibt offen. Doch deutlich ist bereits jetzt: Es sind die stillen, kleinen und unspektakulären Gesten, die bei ihr eine erstaunlich große Wirkung entfalten.

Fazit:
Ich liebe diese Arbeit mit den Pferden - mit all ihren individuellen Geschichten, Herausforderungen und Erfolgen. Mein Dank gilt auch dir, liebe Vivian, die Du mir diesen Weg noch weiter geöffnet und gefestigt hast.
Rückblick und Einblicke in meine Arbeit – 3. Quartal 2025
Im dritten Quartal 2025 konnte ich erste Kurse rund um das Verhalten von Pferden in Stallgemeinschaften und Vereinen durchführen. Darüber hinaus durfte ich weiterhin einige Pferdebesitzer:innen individuell begleiten – mit Beratung, Training und alltagsnaher Unterstützung.
Kurs-Schwerpunkte im dritten Quartal Im Fokus der Kurse des dritten Quartals stehen das Lernverhalten von Pferden – sowohl theoretisch als auch praktisch – sowie Raumwahrnehmung und gezielte Bodenarbeitsübungen. Mit Blick auf das jeweilige Exterieur sowie mögliche „Baustellen“ entwickeln wir gemeinsam individuelle, sinnvolle Übungsansätze für jedes Teilnehmerpferd.
Besonders wichtig ist mir dabei: Jedes Pferd wird als individuelles Wesen betrachtet und erhält seinen eigenen, passenden Trainingsweg. Ziel ist, dass die Besitzer:innen bzw. Reitbeteiligungen die erarbeiteten Übungen selbstständig anwenden und die Reaktionen ihrer Pferde bewusst beobachten lernen. Gemeinsame Reflexion, Zielsetzung und das Erarbeiten eines individuellen Weges stehen im Mittelpunkt. Die Praxiseinheiten werden 1:1 abgehalten.

Einblicke in die Praxis
„Speedi zieht ein“
Seit Anfang September begleite ich eine 3,5-jährige Warmblutstute und ihre Besitzerin, die als fortgeschrittene Anfängerin ihr Pferd weiter anreiten und mit Bodenarbeit starten möchte. Die Stute wurde bisher kaum am Boden gearbeitet und zeigte sich beim Probereiten unsicher – die Besitzerin wurde mehrfach abgebuckelt, was zu einem Vertrauensverlust führte. Die Besitzerin begegnete der Stute daraufhin sehr dominant, um ihr „zu zeigen, wer der Chef ist“.
Unsere Arbeit beginnt mit Theorie zu Körpersprache, Energie und bewertungsfreiem Wahrnehmen der Pferdereaktionen. Praktisch üben wir mit der Stute das Kopfabsenken und trainieren Führpositionen in der Halle, unterstützt von Knotenhalfter und Langseil.
Schnell wird deutlich, wie wichtig Aufmerksamkeit und das richtige Lesen des Pferdes sind: In der zweiten Trainingseinheit ließ sich die Besitzerin wiederholt und trotz meines verbalen Eingriffs ziemlich untätig in „ungünstige“ Positionen bringen. Als die Stute erschrak, wurde sie von der Schulter umgerempelt und geriet unter das Pferd – glücklicherweise mit nur einer leichten Gehirnerschütterung. Dieses Erlebnis zeigt eindrucksvoll, wie rasch Unsicherheit und fehlende Kommunikation gefährlich werden können.
Wir arbeiten weiterhin geduldig an den Grundlagen und der Vertrauensbasis zwischen Mensch und Pferd. Ich habe der Besitzerin dringend empfohlen, das Reiten vorerst zurückzustellen und sich ganz auf die Bindung am Boden zu konzentrieren.
Spaziergänge, gemeinsame Zeit und das sichere Kennenlernen alltäglicher Abläufe wie Putzen, das Führen zur Koppel und in die Führanlage stehen jetzt im Vordergrund. So bekommt die junge Stute die Möglichkeit, Routinen zu lernen, Sicherheit zu gewinnen und eine stabile Beziehung zu ihrer Besitzerin aufzubauen – die beste Basis für alles Weitere. Ich bin sehr gespannt wie es weiter geht, da sie nach der zweiten Woche am Boden kommentierte, dass sie sich ja ein Reitpferd gekauft hat und kein Spazier- und bodenpferd. Diese Aussagen werden leider durch die Stallgemeinschaft verstärkt, da longieren/zentrifugieren genug Bodenarbeit ist….
Resümee für mich: Hilfestellung geben, wenn gefordert und wenn es auch eine Resonanz erzeugt. Aufklärung und Grundlagenarbeit immer wieder wiederholen und die Vorteile der Arbeit am Boden gerade mit jungen Pferden herausstellen und vorleben.

Fräulein Ilse wird zum Reitpferd
Neben all den Kundenpferden bilde ich momentan meine ebenfalls 3,5 jährige Stute zum Reitpferd aus. Vorbereitende Übungen wie einparken und stehen Aufstieghilfe, Gewöhnung an Equipment, Aufsteigen und ruhig stehen bleiben werden geübt.
Die Stute wird mit dem Equikinetic Programm von M. Geitner sowie mit Dualaktivierung gearbeitet um Balance und Durchlässigkeit zu fördern. Alles spielerisch und in ihrem Tempo. Abgerundet wird die Ausbildung durch viele Spaziergänge durch abwechslungsreiches Gelände und viele unterschiedliche Bodenverhältnisse. Da die Stute knapp 180 cm misst, bekommt sie die Zeit und die Ruhe die sie benötigt. Sie steht 24/7 auf der Weide/im Offenstall und kann sich jederzeit frei bewegen. Da sie sehr abgeklärt ist und wir eine super Vertrauensbasis haben, konnte ich meinen Neffen für ein paar hundert Meter auf sie setzen. Für ihn war es das dritte Mal in seinem Leben überhaupt auf einem Pferd, für die Stute war es das erste mal. Beide waren entspannt und der kurze Ritt war ein weiterer Baustein in der Ausbildung dieses tollen jungen Pferdes. Wir werden weiter an der Durchlässigkeit und vom Boden aus arbeiten, da sie durch ihre Größe teilweise etwas längere Leitungen hat (so scheint mir). Ansonsten ist sie sehr fein und möchte alles recht machen.
Pferdeverhaltenstraining in Einzelsessions
Meine Arbeit wird mehr und mehr wahrgenommen, sodass immer mehr Pferdebesitzer/RB Anfragen um Einzelsessions zu buchen um an der Kommunikaiton mit ihren Pferden zu arbeiten. Hauptfocus liegt auch hier bei der Körpersprache, Focus und Energie. Hauptsächlich machen wir Raumarbeiten und tasten uns an die feine Kommunikaiton heran.

Kooperation mit Zaumwerk
Die Zaum-Manufaktur „Zaumwerk“ hat bei mir angefragt, ob wir eine Kooperation eingehen wollen. Flagschiff der Manufaktur ist ein Biothane Kappzaum, der flexibel und stufenlos verstellbar ist, und absolut stabil am Pferdekopf anliegt. Nach einigen Testwochen mit dem Zaum an verschiedenen Pferden konnte ich mit sehr gutem Gefühl ja zu diesem Zaum und der Kooperation sagen. Ein Zaum für die Arbeit mit Kundenpferden wurde mir schon übergeben.
Das eigene Rehazentrum/die eigene Anlage
Seit ein paar Wochen bewegt sich etwas – konkrete Pläne für ein eigenes Zentrum für Pferdereha und Training nehmen Gestalt an. Auf einem bestehenden Hof mit weitläufigen Weideflächen soll ein innovatives Pferde-Reha-Zentrum entstehen, das nicht nur modernste medizinische Versorgung bietet, sondern auch Pferdeverhaltenstraining und Coaching integriert. Ein weiteres Highlight: Ein Extreme-Trail, der sowohl für das Reha-Programm als auch für externe Besucher offensteht.
Das geplante Medical Center umfasst acht großzügige Paddockboxen mit direkten Weidezugängen und modernster Ausstattung: von Aquatrainer und Equitron über Bemer und Stoßwellentherapie bis hin zu Matrix-Rhythmus-Therapie, Laserbehandlungen und Solebox. Hinzu kommt ein großer Offenstall für 12 bis 15 Pferde – mit Fokus aufGroßpferde, für die es in der Region bislang kaum artgerechte Plätze gibt. Hier sollen Restriktionen wie Stockmaß oder Geschlecht keine Rolle spielen, damit auch große Sportpferde ein passendes Zuhause finden.
Das Gesamtkonzept wird abgerundet durch einen großzügigen, teils überdachten Reitplatz, fünf Gastboxen für Besucher oder Reiter, die das umliegende Naturschutzgebiet erkunden wollen, und drei Wohnungen für den Eigenbedarf oder zur Vermietung.
Noch sind es Pläne auf Papier – aber wir sind gespannt darauf, wie sie im Detail aussehen werden, um dann endlich den Startschuss für diesen Lebenstraum geben zu können.

Rückblick und Einblicke in meine Arbeit – 4. Quartal 2025
Auch im vierten Quartal 2025 konnte ich Kurse rund um das Verhalten von Pferden in Stallgemeinschaften und Vereinen durchführen. Darüber hinaus durfte ich weiterhin einige Pferdebesitzer:innen individuell begleiten – mit Beratung, Training und Unterstützung rund ums Pferd.
Kurs-Schwerpunkte im vierten Quartal
Im Fokus der Kurse des vierten Quartals stehen das Lernverhalten von Pferden – sowohl theoretisch als auch praktisch – sowie Raumwahrnehmung und gezielte Bodenarbeitsübungen. Mit Blick auf das jeweilige Exterieur sowie mögliche „Baustellen“ entwickeln wir gemeinsam individuelle, sinnvolle Übungsansätze für jedes
Teilnehmerpferd.
Besonders wichtig ist mir dabei: Jedes Pferd wird als individuelles Wesen betrachtet und erhält seinen eigenen, passenden Trainingsweg. Ziel ist, dass die Besitzer:innen bzw. Reitbeteiligungen die erarbeiteten Übungen selbstständig anwenden und die Reaktionen ihrer Pferde bewusst beobachten lernen. Gemeinsame Reflexion,
Zielsetzung und das Erarbeiten eines individuellen Weges stehen im Mittelpunkt. Die
Praxiseinheiten werden 1:1 abgehalten.
Erweitert wurde das Angebot um einen Medical Training Kurs. Praxistipps und Übungen als Vorbereitung für den Besuch des Tierarztes oder Physiotherapeuten/Osteotherapeuten o. ä.. Zwei Kurse fanden statt, einmal Kids und Jugendliche und einmal für Erwachsene.


Einblicke in die Praxis
Speedi soll weiter als Reitpferd ausgebildet werden
Rückblick: Seit Anfang September begleite ich eine 3,5-jährige Warmblutstute und ihre Besitzerin, die als fortgeschrittene Anfängerin ihr Pferd weiter anreiten und mit Bodenarbeit weiter Erfahrung sammeln möchte möchte. Die Stute wurde bisher kaum am Boden gearbeitet und zeigte sich beim Probereiten unsicher – die Besitzerin wurde mehrfach abgebuckelt, was zu einem Vertrauensverlust führte. Die Besitzerin begegnete
der Stute daraufhin sehr dominant, um ihr „zu zeigen, wer der Chef ist“. Nach 10 Einheiten (wie im Q3-Bericht beschrieben) legen wir eine Trainingspause ein („Stute und Besitzerin können jetzt alles“) und der Schwerpunkt der Arbeit wird auf longieren (klassisch, ausgebunden mit ordentlich Druck und Tempo) und reiten gelegt.
Schade fand ich, dass die Besitzerin nicht „dran“ geblieben ist und die Stute sukzessive vom Boden aus weiter gearbeitet und auch mit dem umliegenden Gelände vertraut machte.
Nach gut 3 Wochen bekam ich einen ziemlich niedergeschlagenen Anruf der Besitzerin. „Speedi“ steigt und bockt nur noch und geht keinen Schritt mehr vorwärts unterm Reiter. Ich hatte kurz den Impuls zu antworten, dass das absehbar war, bot aber meine Hilfe an und war zwei Tage später vor Ort.
Ein absolut unpassender Sattel und schlichtweg Überforderung waren die Ursache für das Verhalten. Speedi wusste sich einfach nicht mehr zu helfen und hat sich „gewehrt“. Zwei Physiobehandlungen waren notwendig, um den langen Rückenmuskel und die Schulterpartie wieder in Gang zu bringen. Danach ging es an das Training fürs Satteln, das die Stute ebenfalls verweigerte. Schritt für Schritt mit Sattelunterlage, Longiergurt und als der Sattel vom Sattler zurück war, wieder mit Sattel konnten wir das Vertrauen der Stute wieder gewinnen. Da die Stute extrem Kinderlieb ist und vom Grund-Temperament ehrlich und lieb, konnten wir ein 10-jähriges Mädchen mit Sattel auf ihr führen und langsam die Besitzerin wieder drauf lassen. Aktuell sind wir bei fünf Minuten
Schritt und Trab geführt/an der Longe, um die Balance und das Vertrauen weiter auszubauen. Das Training wurde radikal umgestellt, die Besitzerin möchte weiter vom Boden aus weiterarbeiten, keine „zentrifugal-Longiererei“ sondern bedacht und vor allem auf die Reaktion des Pferdes zu hören. Sie meinte beiläufig, dass die Stute schon
relativ früh gezeigt hatte, dass ihr der Sattel nicht passt. Dem wurde mit Druck und Zwang begegnet, da es als dominantes und pubertäres Gehabe abgetan wurde.
Es bleibt spannend und ich hoffe, dass der Groschen jetzt gefallen ist und der Satz „Willst du schnell sein, geh langsam“ seinen Zweck erfüllt.
Mogli möchte nicht aus der Box
Tanja, eine Stallkollegin bat mit um Hilfe, da ihr 13-jähriger Haflinger „Mogli“ nicht aus der Box möchte bzw. sie zwanzig Minuten benötigt, um ihn die 50 Meter zum Putzplatz zu führen.
Da Mogli bei uns im Stall steht, konnte ich ihn mit der Besitzerin sowie mit den dreiReitbeteiligungen schon zu genüge beobachten. Ebenso, weil ich Mogli schon öfter auf die Weide gebracht habe. Beobachtung: Mogli zieht sich seine „Bediensteten“ wie er es braucht. Dabei wird er nie blöd, er macht dann eben sein Ding. Ziemlich subtil versucht er Tanja in eine ungünstige Führposition zu bringen, lässt sich ziehen und dreht dann den Kopf und geht in die andere Richtung – meistens Richtung Gras.
Wir starten unser Training in der Box. Dabei fällt schon auf, dass er sich von Tanja kaum das Halfter aufziehen lässt und ständig in Strick und Halfter beißt. Die Hufe lässt er sich brav auskratzen. Da das Halfter zwei Verschnallungen hat, können wir Mogli das Halfter auf eine andere Weise (von oben) aufziehen als gewohnt – das bringt sein Denken durcheinander und er hält still. Kaum ist die Boxentüre offen, dreht er sich blitzschnell,
reißt ihr den Stick aus der Hand um dann an ihr vorbei zum Heu auf der Stallgasse zu rennen. OK, also Haflinger einsammeln und zurück in die Box. Da das jeden Tag an der Tagesordnung steht, arbeiten wir daran, dieses Muster zu durchbrechen. Witzigerweise hilft es schon, wenn Tanja auf der anderen Seite der Türe steht und etwas mehr Körperspannung sowie Präsenz zeigt. Er kommt so nicht so einfach ans Heu und lässt sich abfangen – erste Etappe erreicht.
Auf dem Weg zum Putzplatz bringt er Tanja geschickt in eine ungute Führposition und schaut sich dann in aller Ruhe die Traktoren auf dem Hof, die Gullideckel und was es sonst noch gibt an. Tanja toleriert das und ärgert sich insgeheim darüber. Sobald sie ihn zieht, geht er in die andere Richtung – mit vollem Körpereinsatz. Meistens zum Gras. (Zitat: „ich lass ihn halt, er hat ja nur Heu im Winter...“). Dieses „Spiel“ zieht er jeden Tag durch. Also arbeiten wir an der Führposition und vor allem hat Tanja eine Gerte dabei. Führen, Richtungswechsel, Präsenz, Körpersprache usw. Tanja kommt ganz schön ins Schwitzen aber hat sofort umgesetzt wie wir es besprochen hatten und nach zwei Tagen Training ist die Sache erledigt. Der kleine Hafimann wird jetzt an einem Stück zum
Putzplatz geführt und der schöne Nebeneffekt – er kommt nur noch 2 von 10 Mal alleine wieder vom Spaziergang.
Trixi on Fire
Die 12-jährige Welsh Cob Stute Trixi macht mit ihrer Besitzerin (16-jährig), was sie will. Beim Reiten kaum zu händeln, und am Boden ein echter Panzer. Trixi lebt in einer Herde von 6 Stuten. Mit dabei ihre Mutter/Großmutter. Trixi hat extreme Panik, wenn auch nur ein Pferd den Stall verlässt oder wenn beim Reiten auf dem Platz ein Pferd geht. Sie wiehert, rennt kopflos los und es ist ihr egal, ob jemand auf ihr sitzt oder nicht.
Bodenarbeit wurde nie gemacht, die Ponys sind alle für einen kleinen Schulbetrieb gedacht und machen einen tollen Job. Trixi wurde von Klara gekauft, weil sie nicht wollte, dass jemand anders auch darauf reitet. Da das Mädchen hemmungslos mit dem Pferd überfordert ist, bat mich die Mutter um Hilfe.
Erste Übung: Wir installieren das Kopf absenken auf Kommando. Das nimmt die Stute ohne zu zögern und sehr gerne an. Auch wenn ein Pferd geht oder kommt, kann man dies direkt abrufen und die Stute nimmt es an. Wir arbeiten mit Knotenhalfter und Langseil auf dem Reitplatz und machen Raumübungen. Die Stute tut sich schwer, ihrer Besitzerin zu weichen und panzert sie oft einfach weg. Allerdings wird es mit mehr und mehr Wiederholungen und Beharrlichkeit immer besser und sie kann sie gut kontrollieren. Ebenfalls arbeiten wir an der Führposition und dass Trixi auf dieser Position bleibt. Für Klara ist es schwere Kost, da sie ihre ganze Konzentration zusammen nehmen muss. Aber sie sieht den Erfolg und klaut mit ihren Augen die Übungen, die ich
mit der Stute mache. Wir haben erst fünfmal miteinander gearbeitet aber sie möchte dran bleiben und wird auch Reitunterricht bei mir nehmen, sobald sie sich wieder in den Sattel traut. Sie ist leider unglücklich gestürzt und wir arbeiten am Vertrauen und dass sie ihr Pferd besser/sicherer händeln kann. Ich bin sicher, die beiden machen ihren Weg.
Haflinger Sam kommt in den Stall
Der 2,5 jährige Haflinger Hengst Sam zieht aus der Herde in einen Sportstall. Die Besitzerin möchte den Hengst einreiten und bat mich um Hilfe, da er „ziemlichheftig“ im Umgang sei.
Der Hengst wurde mit Sedierung transportiert und hatte zuvor recht wenig Menschenkontakt. Beim Impfen wurde per Blasrohr die Herde sediert und einen Hufschmied hat er vermutlich noch nie gesehen. So steht er, ziemlich verwildert also vor mir. Alles in allem scheint es ein netter Kerl zu sein. Freundlich, zugewandt und nicht henstig. Er kennt eben noch nichts.
Wir besprechen einen Plan, um Hand in Hand zu arbeiten. Handicap: Die Besitzerin hat Angst und ein Alkoholproblem. Ich bin gespannt, wie der weitere Verlauf ist und vor allem, wie stringent die Besitzerin mit ihm arbeitet. Die vorige Stute von ihr stand leider teilweise bis zu zwei Wochen am Stück in der Box. Da die Box ein großes Paddock hat, geht der Tierschutz leider nicht dagegen vor.
Mit Sam habe ich bisher nur drei Mal gearbeitet. Die Besitzerin meinte, ich solle anfangen mit der Arbeit.
Anbinden und putzen lässt er sich lieb, zeigt sich nur nach ca. 5 Min ungeduldig, aber easy zu beruhigen. Wir dehnen die Anbinde/Putzsession nicht unnötig aus. Hufe gibt er verhältnismäßig lieb, sortiert sich vor jedem Bein, lässt es aber zu, jedes Bein zu heben.
Zum Glück gibt’s einen Roundpen und er lässt sich lieb dahin führen. An erster Stelle steht die Kommunikation in der Freiarbeit. Da er von der Herde mit viel Auslauf jetzt in eine Box gezogen ist, darf er sich erst einmal das Roundpen anschauen und sich frei bewegen/wälzen etc.
Schön zu sehen ist, wie zugewandt er ist, wenn man den Roundpen betritt. Er ist interessiert, lässt sich schicken, wenden, kommt her usw. es macht Freude mit ihm zu arbeiten.
Bei der zweiten und dritten Session hat er gefühlt schon darauf gewartet, etwas zu arbeiten. Klar startet er auch mal durch aber er ist insgesamt sehr fein und wir verfeinern die Kommunikation nach und nach. Nach der Arbeit im Roundpen zeige ich ihm immer mehr vom Hof und drumherum. Dabei üben wir die Führposition und das Anhalten/Angehen. Man merkt, in seinem Kopf ist eine unbespielte Festplatte und nach gut 10 Min braucht er eine Pause. Die er auch gerne bekommt. Somit sind die Einheiten recht kurz, aber er ist ein toller Kerl und ich bin gespannt, was aus ihm wird.
Ich freue mich auf jeden Fall, dass ich das Vertrauen der Besitzerin habe, sie beim Ausbilden zu unterstützen.
Fräulein Ilse wird zum Reitpferd II
Neben all den Kundenpferden bilde ich momentan meine ebenfalls fast vierjährige Stute zum Reitpferd aus. Anknüpfend an Q3
Die Stute zeigt sich sehr abgeklärt und wir gehen immer öfter mit Sattel und Trense/Kappzaum spazieren oder werden von einem zweiten Pferd begleitet.
Oft nehme ich Ilse mit als Handpferd um das ruhige nebeneinander her traben zu festigen. Meine Freundin war eines Samstags mit ihrer Stute dabei. Ich saß auf ihrer Stute und hatte Ilse mit Pad und Kappzaum als Handpferd um eine Runde zu traben. Als ich bei meiner Freundin zurück war, standen die beiden Stuten total ruhig nebeneinander, also beschloss ich, meinen ersten Ritt auf Ilse im Wald zu machen. Gedacht getan, ich bin vom einen aufs andere Pferd geklettert, ohne Aufhebens, und als wäre es die natürlichste Sache der Welt. Meine Freundin grinste nur, hat sie jeglichen Kommentar verkniffen (junges Pferd, erstes Mal reiten und so), stieg auf ihre Stute und wir ritten einfach los. Nur ca. 300 Meter, aber so abgeklärt und cool, als wäre es schon immer so. Absteigen, loben, grinsend und weiterlaufen.
Seit dem Tag sind wir immer wieder auch allein reitend im Wald unterwegs. Einparken von jeder Seite an sämtliche Baumstämme/Picknicktische/Steinhaufen/Bänke/Mauern usw. wird immer mit geübt und natürlich das Auf- und Absteigen von beiden Seiten. Ilsi macht das souverän, und wir üben derzeit mit anderen Pferden zu traben, anzuhalten, auch wenn die anderen noch weiter gehen, die anderen an uns vorbeitraben zu lassen, aufzutraben usw. bisher macht sie das ziemlich cool und lässt sich zu jeder Zeit kontrollieren.
In der Reithalle reiten wir Schritt und Trab und üben Richtungswechsel sowie Gangartenwechseln.
Insgesamt reite ich sie ca. 3 Mal wöchentlich ca. 15 min. Die restlichen Tage wird mit Stangen/Equikinetik/Dualaktivierung und vor allem vielen Spaziergängen und auch Freilaufen verbracht. Im Mai wird Ilsi noch mal für 5 Monate auf eine Sommerweide in eine Herde an die Nordsee gehen um dort vollends auszuwachsen, die Zähne zu wechseln und einfach Pferd sein können.
Das eigene Rehazentrum/die eigene Anlage II
Nachdem wir so viel geplant, recherchiert, geredet und besichtigt haben, müssen wir leider diesen Hof und somit auch den Traum einer hiesigen Reha-Anlage erst einmal beiseitelegen.
Letztendlich waren es die Pachtverträge, die einen Baubeginn in absehbarer Zeit verhindern. Da ich diese arrondierenden Flächen jedoch eingeplant hatte und es sinnlos ist, zwar einen Stall zu haben, aber keinerlei Bewegungsmöglichkeit/Weideflächen vor Ort, musste ich vom Kauf absehen. Ein Baubeginn Ende 2028 ist eine zu lange Zeit.
Evtl. werde ich ein paar Boxen in einer bestehenden Reitanlage pachten um die Arbeit mit den Pferden fortzuführen. Das Dilemma ist jedoch: Tolle Haltungsbedingungen und schlecht/mieserable Trainingsmöglichkeiten oder Boxenknast mit top Trainingsbedingungen.
Es ist hier in der Gegend leider ein Graus. Naja, es wird sich sicher was finden, da bin ich zuversichtlich.
Fazit
Nach wie vor liebe ich diese Arbeit mit den Pferden – mit all ihren individuellen Geschichten, Herausforderungen und Erfolgen.
Mein Dank gilt Dir, liebe Vivian, die Du mir diesen Weg noch weiter geöffnet und gefestigt hast.
Herzliche Grüße
Kerstin Below
