Andrea Birkhölzer: Die Krisenmanagerin – (re-)connecting horses and people – Fortschrittsberichte

November 3, 2025


Zwischen Vision und Realität – ein persönlicher Einblick

Der erste Fortschrittsbericht steht mehr aus der Sicht der Coachin als der Pferdeverhaltenstrainerin – in der kritischen Selbstreflexion.

In der kritischen Selbstreflexion der Unternehmerin, die ich werden will – oder, wie ich heute sagen würde: in der ich mich gerade mühsam entwickle.

Denn es geht nicht nur um Wissen und Handwerk. Es geht um Haltung, um Identität. Um das Gefühl, es wert zu sein, für meine Leistungen Geld zu nehmen. Um das Selbstverständnis, Expertin zu sein – und damit auch für Qualität, Verantwortung und Veränderung zu stehen.

Ich hatte mein erstes Trainingspferd in „meinem“ Stall – dort, wo auch mein eigenes Pferd steht.

Das war ein Schlüsselmoment. Ich war gleichzeitig „nur“ Miteinstellerin und Dienstleisterin. Ich sollte die Pferdewippe erarbeiten.

Und plötzlich wurde mir bewusst, wie stark mein innerer Anteil ist, der Harmonie bewahren will. Wie schwer es mir fällt, mich als Unternehmerin ernst zu nehmen -  nicht nur nach außen, sondern auch innerlich und einen Preis für meine Dienstleistung zu verlangen.

Ich merkte: Unternehmerin-Sein beginnt mit kleinen Schritten (analog zum Pferdetraining 😊). Mit dem Mut, für die eigenen Werte einzustehen. Mit dem Mut, mich selbst nicht zu überfordern – und gleichzeitig nicht klein zu halten.

Auch außerhalb des Stalls bin ich aktiv:

Auf LinkedIn und in meinem Podcast „Pferdeglück und Lebenswende – Dein Coaching Podcast“ teile ich Gedanken und Impulse rund um den Zusammenhang von persönlichem Wachstum und Pferdegesundheit.

Doch Social Media funktioniert nicht nach Plan – zumindest nicht nach meinem.
Trotz über 1000 Kontakten erreichen meine Beiträge nur rund 30 Menschen.

Auch hier also: Reflexion. Frustration. Und die Erkenntnis:

Ich darf auch in diesem Bereich herausfinden, was zu mir passt – und was nicht.

Der große Plan – der Bau einer Pferdereha – liegt weiterhin auf Eis. Die finanzielle Hürde ist derzeit noch zu groß.
Das fühlt sich enttäuschend an. Manchmal auch beschämend, denn: habe ich zu groß geträumt?

Aber dann erinnere ich mich daran, warum ich angefangen habe:

Weil ich mehr Gerechtigkeit für Pferde möchte (#morejusticeforhorses)

Weil ich daran glaube, dass Heilung möglich ist – für Pferde und für Menschen.
Weil ich einen Ort schaffen möchte, der wirklich nachhaltig ist: hochwertig, ehrlich, respektvoll.
Weil ich weiß, dass es nicht nur um Technik geht, sondern um Verbindung.

Der Weg dorthin wird länger als gedacht. Vielleicht anders, als ich ihn mir ausgemalt habe. Aber ich bleibe dran. Schritt für Schritt.
Denn Unternehmerin-Sein bedeutet nicht, dass alles sofort klappt.
Es bedeutet, weiterzugehen – auch wenn die Sicht gerade neblig ist.

Wie es weitergeht

Für die nächste Zeit habe ich mir konkrete Schritte vorgenommen:
Ich möchte mein Angebot auch offline stärker sichtbar machen – durch Flyer in passenden Reitställen und Tierarztpraxen, durch kleine Info-Stände auf Veranstaltungen oder durch persönliche Gespräche bei passenden Netzwerktreffen.

Denn ich habe festgestellt, dass echte Verbindung und Vertrauen oft im direkten Kontakt entstehen. Gerade bei sensiblen Themen wie Tiergesundheit und persönlicher Entwicklung ist Authentizität wichtiger als Reichweite.

Gleichzeitig bleibe ich auch auf Social Media aktiv – jedoch werde ich auch hier ausprobieren, welche Inhalte mehr Reichweite generieren, die gleichzeitig zu meinen Werten passen.

Ich weiß jetzt: Marketing ist kein Selbstzweck. Es ist Ausdruck meiner Haltung.
Und diese Haltung möchte ich künftig greifbarer machen – online wie offline.

Von Heilung, Vertrauen und den ersten echten Erfolgen

Es geht voran – langsam, aber spürbar.
Und manchmal geschehen die entscheidenden Schritte dann, wenn man sie am wenigsten erwartet.

Ich habe meine erste Kundin gewonnen – ganz ohne Werbung.
Ein Moment, der sich still und nicht unbedingt selbstverständlich anfühlte, dennoch so viel Bedeutung in sich trägt. Denn er zeigt mir: das, was ich tue, beginnt, Kreise zu ziehen. Menschen nehmen wahr, dass meine Arbeit echt ist und dass sie wirkt.

Eine kurze Rückschau:

Dass ich heute an diesem Punkt stehe, hat ganz viel mit meinem eigenen Pferd zu tun – und mit dem langen Weg, den wir gemeinsam gegangen sind.
Er war der Ausgangspunkt für alles: für meine berufliche Neuorientierung, für mein tiefes Eintauchen in die Themen Gesundheit, Verhalten und Heilung.
Als er krank wurde und niemand helfen konnte, begann ich, selbst zu forschen, zu lernen, zu verstehen und zu behandeln. So entstand mein Weg zur Therapeutin – und aus dieser Erfahrung wuchs schließlich die Vision eines Pferderehazentrums, die durch das Stipendium ihren ersten realen Rahmen bekam.

Doch mit der Krankheit kamen auch Verhaltensauffälligkeiten. Mein Pferd spiegelte mir, was Schmerz, Unsicherheit und Misstrauen mit einer Seele machen können – und ich lernte, dass Heilung nicht nur körperlich, sondern auch emotional beginnt. Darum wurde ich schließlich auch Pferdeverhaltenstrainerin.

Trotz all meines Wissens und meiner Fortschritte mit meinem eigenen Pferd blieb eines lange unverändert: Ich habe mich nicht mehr getraut, auf mein eigenes Pferd zu steigen. Zu tief saß die Erinnerung an unkontrolliertes Steigen und Treten.

Also suchte ich mir eine Reitbeteiligung auf einem „Verlasspferd“ – ruhig, verlässlich, klar.
Ein Pferd, das mir half, wieder Vertrauen zu fassen – in die Tiere, aber auch in mich selbst.

Und tatsächlich geschah das, worauf ich kaum zu hoffen gewagt hatte: Ich fand zurück in mein Körpergefühl, fand zurück zu meinem Selbstvertrauen und habe mein eigenes Pferd wieder geritten. Und nicht nur das – wir sind ausgeritten und ein anderes Mal auf dem Platz galoppiert.
Ein Moment von unbeschreiblicher Freiheit, voller Dankbarkeit und absoluter Freude.

Und der Bestätigung: das was ich tue, hat Hand und Fuß. Ich kann ein „Problempferd“ wieder reitbar machen. Und damit war mein Tief aus dem vergangenem Fortschrittbericht überwunden.

Während ich bei meiner Reitbeteiligung im Stall war und einfach plauderte, sprach mich eine andere Einstellerin an. Sie hatte ein paar Gesprächsfetzen mitgehört und fragte daraufhin, ob ich Trainerin sei – und ob ich mit ihr und ihrem Pferd arbeiten würde.

Seitdem treffen wir uns regelmäßig zum Training. Ich bekomme ehrliches, begeistertes Feedback, und jedes Mal spüre ich, wie sich mein Weg mehr und mehr fügt. Ich bekomme neben dem Feedback durch mein eigenen Gefühl von Freude und Verschwinden in der Zeit die Bestätigung, wie sehr ich auf dem richtigen Weg bin – ungeachtet ob es eine Kundin ist oder hundert Kunden wären.

Zu oft vergessen wir, den Weg zu genießen!

Das ist eine Erkenntnis, auf dem Weg zum Unternehmertum. Ich bin mit der großen Vision und mit dem Endziel „Pferderehazentrum“ gestartet. Es bedarf zum Durchhalten von Tiefpunkten auch einer großen Vision in der Zukunft. Doch ich appelliere an alle, auch die kleinen Schritte zu genießen, wahrzunehmen und festzuhalten. Denn diese werden irgendwann so nicht mehr da sein.

Jetzt habe ich die Möglichkeit, mich in aller Ruhe Rund mit meiner Kundin über das Training hinaus noch auszutauschen und entspannt auf den Heimweg anzutreten. Ich habe noch keinen Stress, den Kundentermin im Anschluss pünktlich schaffen zu müssen. Sondern kann das schöne Training voll nachwirken lassen.

Und genau das, diese Kleinschrittigkeit lerne ich grade zu genießen.

Dritter Fortschrittsbericht

In den vergangenen Monaten hat sich mein Vorhaben auf eine Weise weiterentwickelt, die vielleicht nicht spektakulär wirkt, für mich jedoch einen bedeutsamen Schritt darstellt: Ich habe die erste konkrete Investition in Richtung Pferdereha getätigt und ein PEMF-Gerät angeschafft.

PEMF bedeutet Pulsierendes Elektromagnetisches Feld und stammt aus der Humanmedizin. Anerkannt ist z.B. die Wirkung schnellerer Heilung von Knochenbrüchen. Pferde reagieren sehr gut darauf, insbesondere in der Muskelentspannung. 

Diese Entscheidung war lange in mir gereift. Das geplante Rehazentrum ist finanziell weiterhin nicht unmittelbar umsetzbar, doch ich wollte nicht länger darauf warten, bis alle Rahmenbedingungen perfekt sind. Stattdessen habe ich begonnen, im Kleinen das umzusetzen, wofür ich im Großen antrete.

Ich setze das Gerät bei meinem eigenen Pferd ein und erkläre im Stall offen die Anwendung und die zugrunde liegenden Überlegungen. Die Reaktion meines Pferdes war überdeutlich positiv. Daraus ergaben sich Gespräche, Nachfragen und schließlich echtes Interesse. Mittlerweile nutzen auch andere Einstellerinnen das Gerät für Ihre Pferde mit. Für mich ist das ein erster, sehr greifbarer Erfolg im Bereich Reha – nicht geplant als Marketingmaßnahme, sondern entstanden aus gelebter Praxis. Die Rückmeldungen sind immer positiv, wie etwa „deutlich entspannter beim Riten“. 

Es bestätigt mich darin, dass Überzeugung und Transparenz oft wirksamer sind als jede Werbekampagne.

Davon losgelöst bin ich noch einmal deutlich tiefer in das Thema Marketing eingestiegen. Lange habe ich diesen Bereich eher als notwendiges Beiwerk betrachtet. Doch je intensiver ich mich mit dem Unternehmertum auseinandersetze, desto klarer wird mir, dass fachliche Kompetenz allein nicht genügt.

Ich habe begonnen, mich mit Positionierung zu beschäftigen – also mit der Frage, wofür ich stehen möchte und wie ich mich klar von anderen Angeboten abgrenzen kann. Dieser Prozess war ehrlicher u härter, als ich erwartet hatte. Er zwingt mich dazu, Entscheidungen zu treffen: Wen möchte ich wirklich ansprechen? Welche Werte sind nicht verhandelbar? Was unterscheidet meine Arbeit von der vieler anderer engagierter Pferdetrainerinnen? Wie soll mein Arbeitstag aussehen? 

Mir wird zunehmend bewusst, dass ich nicht nur in meiner fachlichen Rolle wachse, sondern vor allem in meiner unternehmerischen Identität.

Wir sind mit Leidenschaft Pferdetrainerinnen und Therapeutinnen. Doch wenn wir langfristig wirken wollen, dürfen wir den unternehmerischen Anteil unserer Arbeit nicht unterschätzen, insbesondere den als Frau mit Blick auf Rentenlücken und Verdienstausfall im Falle der Familienplanung.  Sichtbarkeit, Klarheit, strategisch-zukunftsgerichtete Denken – all das gehört ebenso dazu wie Empathie, Wissen und Erfahrung am Pferd.

Vielleicht ist genau das die Quintessenz dieses Abschnitts meines Weges: Der Aufbau eines Rehazentrums beginnt nicht mit einem Gebäude. Er beginnt mit Entscheidungen, die zu mir und meinem inneren Kern passen. Mit Investitionen. Und ganz klar mit Positionierung.

Ich bin weiterhin im Aufbau. Doch ich spüre, dass sich meine innere Haltung verändert. Und genau darin liegt für mich der eigentliche Fortschritt. Er ist nach außen nur gering sichtbar, aber innerlich ganz klar und deutlich. 


Ich würde mich über einen Kommentar sehr freuen.

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