Nicole Görldt will Pferden mit Equisensation eine Stimme geben – Fortschrittsberichte

Unter dem Leitspruch „Sprache braucht keine Worte“ begleite ich Menschen dabei, eine echte, auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt basierende Beziehung zu ihrem Pferd aufzubauen.
In unserer schnelllebigen, leistungsorientierten Welt wird oft vergessen, dass Pferde keine seelenlosen Sportgeräte sind, die man nach der Nutzung einfach in die Ecke stellt. Sie sind fühlende Wesen – mit eigenen Bedürfnissen, Emotionen und Persönlichkeiten. Für mich stehen diese Bedürfnisse im Mittelpunkt meiner Arbeit. Ich möchte Menschen dafür sensibilisieren, ihr Pferd nicht nur als Reiter,
sondern als Partner wahrzunehmen – als ein Wesen, mit dem man in Beziehung tritt, das kommuniziert, spiegelt und fordert. Besonders am Herzen liegt mir dabei das Konzept der Selbstwirksamkeit bei Pferden. In meiner täglichen Arbeit bedeutet das: Pferde sollen Entscheidungen treffen dürfen, sich mitteilen und eigene Impulse setzen. Denn echte Beziehung bedeutet nicht Kontrolle, sondern Kommunikazion. Es ist für mich immer wieder ein tief berührender Moment, wenn
ich sehe, wie Menschen sich auf diese neue Art der Verbindung einlassen. Wenn sie beginnen, ihr Pferd nicht nur zu „trainieren“, sondern ihm wirklich zuzuhören – dann entsteht etwas Magisches. In dieser stillen, nonverbalen Kommunikation kann so viel Heilung und Wachstum geschehen – auf beiden Seiten. Denn Pferde sind unsere Spiegel: Sie zeigen uns, wo wir stehen – ganz ohne Worte. Wir müssen
nur bereit sein, hinzusehen. In meiner Rolle als Trainerin unterstütze ich Menschen genau auf diesem Weg. Ich helfe dabei, Missverständnisse zwischen Mensch und Pferd zu klären, Konflikte zu lösen und neue Perspektiven zu eröffnen. Meine Arbeit geht dabei weit über reines Pferdetraining hinaus: Oft sind es blockierende Glaubenssätze, Unsicherheiten oder unbewusste Muster beim Menschen, die der
Beziehung im Weg stehen. Diese gemeinsam aufzudecken und zu transformieren, ist ein wesentlicher Teil meiner Arbeit.

Ein besonders schönes Beispiel für eine gelungene Mensch-Pferd-Beziehung ist die Arbeit mit Susanne und ihrer Stute Immy, die zugleich das Thema meiner Abschlussarbeit war. Auch nach Beendigung der Arbeit an der Abschlussdokumentation führen wir unser Training fort. Die gemeinsame Entwicklung der beiden ist für mich ein lebendiger Beweis dafür, wie kraftvoll und transformierend dieser Weg sein kann. Ihre Geschichte hat im Umfeld Kreise gezogen – immer mehr Menschen äußern den Wunsch, ihre Beziehung zu ihrem Pferd zu vertiefen. Diese Resonanz erfüllt mich mit großer Freude, denn im
Wunsch nach Veränderung und Entwicklung liegt bereits der erste Schritt zu einer innigen Partnerschaft.

Ein weiterer Schwerpunkt meiner Tätigkeit ist die pferdegestützte Arbeit mit Kindern, insbesondere mit jenen, die Entwicklungsverzögerungen zeigen oder durch herausforderndes Verhalten auffallen. Die Verbindung, die zwischen Kind und Pferd entsteht, ist oft unmittelbar und ehrlich. Beim Putzen, Füttern
und der Stallarbeit erleben die Kinder Verantwortung und Fürsorge – sie lernen, dass ein Pferd keine Maschine ist, sondern ein lebendiges Wesen, das Pflege und Aufmerksamkeit braucht. Im unmittelbaren Kontakt mit dem Pferd geschehen oft kleine Wunder: Selbst das unruhigste Kind wird plötzlich ganz still, behutsam und aufmerksam. Die Pferde begegnen den Kindern mit Neugierde und Sanftheit – sie erschnuppern vorsichtig neue Eindrücke, nehmen die Kinder mit all ihren Emozionen einfach so an, wie sie sind. Ich erkläre den Kindern spielerisch, wie sie ein Pferd begrüßen, worauf sie achten müssen und wie sie sich verständlich machen können – ganz ohne Worte, aber mit Achtsamkeit.
In gemeinsamen Erkundungstouren durch die Natur erleben die Kinder Abenteuer, lernen Rücksichtnahme und dürfen gleichzeitig sie selbst sein. So entsteht nicht nur eine Verbindung zum Tier, sondern auch eine neue Beziehung zu sich selbst.

Die Arbeit mit Pferden ist für mich weit mehr als Training oder Verhaltenstherapie – sie ist eine Herzensangelegenheit. Pferde öffnen uns eine Tür zu uns selbst, wenn wir bereit sind, ihnen mit Offenheit, Achtsamkeit und Respekt zu begegnen. Sie spiegeln uns, ohne zu bewerten, und helfen uns dadurch, eigene Themen zu erkennen und zu transformieren. Die Erfahrungen, die ich in der Begleitung
von Mensch-Pferd-Beziehungen machen durfte, zeigen mir immer wieder, wie viel Potenzial in einer echten Verbindung liegt – jenseits von Druck, Kontrolle oder starren Methoden. Ob in der Beziehung zwischen Erwachsenen und ihren Pferden oder in der pferdegestützten Arbeit mit Kindern: Es sind oft die leisen, unscheinbaren Momente, die den größten Einfluss haben. Ein Blick, eine ruhige Berührung, ein gemeinsamer Schritt – all das kann der Anfang einer tiefen, vertrauensvollen Partnerschaft sein. Diese Erlebnisse erfüllen mich mit Dankbarkeit und bestärken mich täglich in meiner Arbeit.

Im Laufe dieses Jahres durfte ich mein Wissen aus meiner Ausbildung zur Pferdeverhaltenstrainerin nicht nur vertiefen, sondern auch in der Praxis lebendig werden lassen. Durch die Begegnung mit unterschiedlichsten Pferd-Mensch-Konstellationen erweiterte sich mein Verständnis für das harmonische Miteinander stetig. Denn so einzigartig jeder Mensch ist, so individuell ist auch jedes Pferd. Der Charakter eines Pferdes formt sich innerhalb eines Prozesses, der sich aus einer Mischung von Veranlagung, Erfahrung und erlerntem Verhalten ergibt. Jede Rasse bringt ihre eigenen Anlagen mit, doch erst die Erlebnisse formen das Wesen jedes einzelnen Tieres. So unterschiedlich wie Pferd und Mensch sind, so individuell sollte auch ihr gemeinsamer Weg gestaltet werden – ein Training, das auf beide zugeschnitten ist, mit Raum für Wachstum, Vertrauen und gegenseitiges Verstehen.

Auch für mich persönlich war dieses Jahr ein Schritt über die vertrauten Grenzen hinaus. Denn Entwicklung entsteht nur dort, wo wir den Mut finden, unsere Komfortzone zu verlassen – achtsam, aber entschlossen. Mit genau diesem Mut machte ich mich gemeinsam mit meinen beiden Jungpferden auf den Weg zu einer Trainingswoche fernab unserer gewohnten Umgebung – mit neuen Impulsen, Methoden und Herausforderungen. Die Veränderungen waren unübersehbar – nicht nur bei meinen beiden Jungspunden, sondern auch bei mir. Von Tag zu Tag wurden sie mutiger, neugieriger und selbstbewusster. Es war wunderschön zu sehen, wie viel Freude sie an den neuen Aufgaben hatten und wie sich unsere Verbindung dadurch noch vertiefte.

Diese Erfahrung führte uns zu einem weiteren, unerwarteten Schritt: Plötzlich fanden wir uns als Teil eines Programmpunkts auf einer Pferdemesse wieder. Mein Herz schlug bis zum Hals – und doch konnte ich mich auf meine beiden Vertrauten verlassen. Gemeinsam meisterten wir diese Herausforderung. Nicht perfekt – aber vollkommen in unserem Sinne. Denn Entwicklung bedeutet nicht, alles fehlerfrei zu können, sondern gemeinsam zu wachsen. Diese wertvollen Erfahrungen führten mich zu einem Moment, der mir bis heute Tränen der Rührung in die Augen treibt. Inmitten der lauten, aufgeregten Atmosphäre der Messe – umgeben von fremden Menschen und Pferden – zeigte sich die Authentizität meiner Bindung zu Niñito. Spontan durfte ich eine Sequenz in Freiarbeit zeigen – völlig unerwartet. Ich spüre noch heute, wie mein Herz hüpfte, als ich Niñito frei laufen ließ. Das Band, welches über all die Zeit gewachsen war und uns miteinander verbindet, war in jenem Augenblick greifbar. Niñito ließ sich frei auszirkeln, trabte und galoppierte an meiner Seite, als wäre kein Halfter nötig, kein Seil zwischen uns. Auch das Heranrufen zum Aufsteigen gelang mit Leichtigkeit. In jedem Moment war Niñito ganz bei mir.

Dieses Gefühl möchte ich weitergeben – in meinen Trainings, in meiner Arbeit, in jedem Kontakt zwischen Mensch und Pferd: das Gefühl, ein echtes, partnerschaftliches Band zu knüpfen, das auf Vertrauen, Respekt und liebevoller Achtsamkeit beruht.

Ich würde mich über einen Kommentar sehr freuen.

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