1. Quartal Schritt 4-5-6
4. Der Mentor ( Ute Wilhelms )
Wenn die Weigerung dieses Problems überwunden ist können wir uns dem 4. Schritt zuwenden: dem Mentor.
Im Falle unseres Projektes bin ich der Mentor. Deshalb nutze ich diesen Punkt um mich einmal näher vorzustellen.
Ich bin Ute, mittlerweile 60 Jahre alt und besitze 4 Pferde.
Seit vielen Jahren arbeite ich mit z.T. schwer traumatisierten Menschen ( hauptsächlich Frauen) zusammen.
Seit 2002 bin ich zertifizierte Reittherapeutin und habe Weiterbildungen in Traumatherapie und Sozialpsychiatrie absolviert.
Weiterhin bin ich Trainer C klassisch Barock und Centered Riding Instruktor Level II
Seit Januar 2025 bin ich außerdem zertifizierte Pferdeverhaltenstrainerin ( IVK )

5. Die Übertretung der Schwelle oder der erste Schritt:
Um die Kommunikation zwischen Pferd und Reiner zu verbessern haben wir uns dafür entschieden zunächst einige Übungen am Boden zu üben und zu verfestigen.
Als Reiter ist uns oft nicht bewusst wie unsere Idee der Kommunikation oder der Hilfengebung beim Pferd ankommt.
Zügelführung, Körpersprache und Schenkelhilfen werden oft vom Reiter (aus Unwissenheit) zu stark eingesetzt und treffen dadurch auf Unmut seitens des Pferdes.
Aus diesem Grund haben wir uns damit eingehend beschäftigt.

Julia und Laura : wie kommt welche Zügelhilfe an?


Schritt 6
Dieser Teil beinhaltet die Integration der Angst und dessen Bewältigung.
Welche Situationen sind angstauslösend ?
Welche Ängste sind wichtig als Schutzmechanismus und welche Ängste hemmen unser Vorankommen?
Auf dem folgenden Foto zeigt Laura wie sie lernt Shaman zu vertrauen und im mehr Selbstbewusstsein zugesteht.
Spiel und Spaß im Umgang schafft Vertrauen und Selbstbewusstsein auf beiden Seiten.

In Meditationen und Phantasiereisen üben wir Entspannung und Gelassenheit.
Wir sprechen über die Übertragung vom Reiter auf das Pferd und üben uns in
Achtsamkeit.

Ute Wilhelms
Kentaurus ambulantes Zentrum
Geschäftsleitung
- ambulante Krankenpflege
- ambulante psychiatrische Versorgung
- Ergotherapie
- kreative und pferdegestützte Traumatherapie

Die Annäherung an die tiefste Angst: Schritt 7 der Heldenreise und ihre Überwindung
Der 7. Schritt der Heldenreise nach Joseph Campbell, die Annäherung an die tiefste Höhle (Innermost Cave), nähert sich der Held seiner tiefsten Angst. Diese tief sitzende Angst, wie etwa die Angst vor dem Reiten, ist in den meisten Fällen eine Urangst, die auf einen Kontrollverlust in der Vergangenheit hindeutet. Dieser Kontrollverlust muss kein großes Trauma sein. Es kann sich um ein traumatisches Erlebnis für ein Baby oder Kleinkind handeln, das wir als Erwachsene nicht als solches benennen würden. Beispielsweise kann es für ein Baby traumatisch sein, wenn es weint, weil es Hunger hat, und die Mutter nicht schnell genug mit der Nahrung reagiert. Das Kind kann sich noch nicht selbst versorgen und erlebt somit einen Kontrollverlust.
Solche Situationen wiederholen sich ständig im Leben, wobei das Unterbewusstsein die Hilflosigkeit und den Kontrollverlust abspeichert. Das wiederum fördert Ängste vor bestimmten Ereignissen, Situationen, Tieren (wie Spinnen) oder eben auch beim Reiten oder dem Umgang mit dem Pferd. Um diese Blockade aufzulösen, kann eine Hypnose helfen, bei der durch den Kontakt mit dem Unterbewusstsein diese tief verwurzelte Angst angegangen wird. (Beschreibung der Hypnose folgt)

Praktische Anwendung in der Reitstunde
In einer konkreten Reiteinheit widmeten wir uns der „Überwindung der Angst auf dem Pferd“. Dabei kamen gezielte Atemübungen und Techniken zum Einsatz, die helfen sollten, die Angst während des Reitens zu bewältigen. Ein fließender Atem ist essenziell, da er nicht nur die Reiterin beruhigt, sondern auch eine beruhigende Wirkung auf das Pferd hat.
Ein weiterer Fokus lag auf Sitzübungen. In Angstsituationen neigt die Reiterin dazu, nach vorne zu kippen und so ihre Balance zu verlieren. Gleichzeitig verliert das Pferd seine Balance und reagiert entsprechend. Durch Entspannungstechniken, Atem- und Sitzübungen sowie dem Verständnis für fließende Bewegungen übten wir auf dem Pferd das „Weitergehen“.
Techniken zur Zentrierung und Kommunikation: Lauras Weg zum Gleichgewicht
Um das zentrale Problem der Angst bei Laura – das Kippen nach vorne und der damit verbundene Kontrollverlust – zu lösen, wurden spezifische Körperzentrierungs- und Kommunikationstechniken eingesetzt, die ihr halfen, im Gleichgewicht zu bleiben.
Zentrierung der Reiterin
Die Übungen zielten darauf ab, Laura physisch und mental in ihre Mitte zu bringen, um das unbewusste Vorwärtskippen zu verhindern, das die Balance des Pferdes stört und ihre Angst verstärkt.
• Die Vorstellung der Kugel: Laura stellte sich vor, dass eine Kugel in ihrem Becken liegt. Diese Visualisierung half ihr, ihr Zentrum (den Schwerpunkt) zu finden und zu stabilisieren, wodurch sie eine tiefere und ruhigere Sitzposition einnehmen konnte, die ein Kippen nach vorne erschwerte.
• Die aufrechte Haltung: Um die Wirbelsäule zu strecken und eine flexible Aufrichtung zu fördern, nutzte sie zwei weitere Bilder:
• Der Faden: Ein imaginärer Faden in der Mitte ihrer Reitkappe zog sie sanft nach oben und sorgte für eine zentrierte Aufrichtung des Kopfes.
• Die Perlenschnur: Ihre Wirbelsäule visualisierte sie als eine mit Perlen aufgezogene Schnur, was Flexibilität und gleichzeitig Stabilität vermittelte.
Durch diese mentalen Bilder konnte Laura ihren Sitz so korrigieren, dass sie ihre Balance behielt und das Pferd nicht durch unruhige Bewegungen irritierte.
Kommunikation mit dem Pferd und Beruhigung
Das zweite Problem war Shamans Tendenz, stehen zu bleiben, was Lauras Angst auslöste. Hier wurde eine spezielle Kommunikationsmethode eingesetzt, um das Pferd in Bewegung zu halten und es gleichzeitig zu beruhigen.
• Die seitliche Armbewegung: Um Shaman beim Anhalten wieder zum Weitergehen aufzufordern, nutzte Laura eine Seitwärtsbewegung ihres Armes. Diese Bewegung deutete ein Longieren an, als würde sie sich selbst und das Pferd auf einem kleinen Zirkel longieren, und half, das Pferd im Bewegungsimpuls zu halten.
• Die physiologische Wirkung: Entscheidend war die körperliche Reaktion des Pferdes: Durch die leichte Biegung des Pferdes, die diese seitliche Aufforderung bewirkte, wird die Bauchmuskulatur angesprochen. Das Aktivieren dieser Muskulatur führt zur Aktivierung des Parasympathikus, dem Teil des Nervensystems, der für Ruhe und Entspannung zuständig ist. Dies hatte eine sofortige Beruhigung des Pferdes zur Folge, was wiederum die Angst der Reiterin reduzierte und ihr Gefühl von Kontrolle und Sicherheit im Sattel stärkte.

Die Überwindung der Angst vor dem Alleinreiten bei Julia
Bei Julia manifestierte sich die Angst vor Kontrollverlust und Hilflosigkeit darin, dass sie sich nicht traute, alleine ohne Führung zu reiten. Obwohl sie technisch in der Lage war, das Pferd zu lenken und zu kontrollieren, war die mentale Blockade, sich eigenverantwortlich und isoliert in der Reitbahn zu bewegen, zu groß. Die Anwesenheit und die Führung durch eine andere Person dienten ihr als mentales Sicherheitsnetz und verhinderten das Gefühl des Alleinseins, das sie mit einer möglichen Überforderung oder dem Verlust der Kontrolle über die Situation (oder das Pferd) verband.
Der Einsatz der Vorstellungskraft zur Angstbewältigung
Um diese Blockade aufzulösen, wurde ein Ansatz gewählt, der die Vorstellungskraft (Visualisierung) nutzte. Dies ist eine häufig genutzte Methode, um das Unterbewusstsein schrittweise an eine gefürchtete Situation zu gewöhnen, ohne das volle Risiko und den Stress der tatsächlichen Konfrontation.
1. Zielbestimmung und Wegplanung: Zuerst wurde in einem ruhigen Gespräch gemeinsam der Weg besprochen, den Julia alleine reiten wollte (z. B. eine große Volte oder einmal quer durch die Bahn). Julia musste eine klare Entscheidung treffen, welche Route sie einschlagen wollte. Diese klare Strukturierung gab ihr die mentale Kontrolle über die Situation zurück, bevor sie überhaupt auf das Pferd stieg.
2. Simulation (Visualisierung): Julia wurde gebeten, die gesamte Sequenz detailreich in ihrer Vorstellung durchzugehen. Sie schloss die Augen und simulierte das Alleinreiten:
• Das Aufsitzen ohne führende Hand.
• Das Gefühl der Unabhängigkeit im Sattel.
• Das Geben der Hilfen für das Anreiten.
• Das Reiten der besprochenen Route (z. B. in die Ecke, dann auf den Zirkel).
• Das bewusste Erleben der Kontrolle über das Pferd.
• Das erfolgreiche Beenden der Übung und das Gefühl des Triumphs.
3. Mentale Verankerung: Durch diese wiederholte, positive Simulation wurde im Unterbewusstsein eine neue, angstfreie Erfahrung verankert. Das Gehirn wurde quasi darauf "vorbereitet", dass die Situation des Alleinreitens nicht zu einem Kontrollverlust, sondern zu einem Erfolgserlebnis führt.
Die Übertragung in die Praxis
Nachdem Julia diesen Weg mithilfe ihrer Vorstellungskraft mental erfolgreich bestritten hatte, war der Übergang zur tatsächlichen Ausführung auf dem Pferd deutlich einfacher. Die Angst war durch die mentale Vorarbeit so weit reduziert, dass sie die körperliche und reiterliche Herausforderung ohne die panische Reaktion angehen konnte. Der Erfolg des allein gerittenen Weges bestätigte das neue positive Muster und half Julia so, die Angst vor dem Alleinreiten dauerhaft zu überwinden.
Schritt 8
Die Bewährungsprobe des Scheiterns: Schritt 8 der Heldenreise
Der 8. Schritt der Heldenreise nach Joseph Campbell wird als Katastrophe (Ordeal) oder das Scheitern bezeichnet. In dieser Phase erlebt der Held eine existenzielle Krise, die größte Herausforderung oder ein scheinbares Ende seiner Reise. Dieses Ereignis ist oft ein Tiefpunkt, der aber essenziell ist, um die ultimative Transformation zu ermöglichen.
In diesem Kontext stellte der Sturz vom Pferd für Laura diese Katastrophe dar.
Die Katastrophe: Der Sturz vom Pferd
Während einer Phase zwischen den Trainingseinheiten fiel Laura von ihrem Pferd. Sie berichtete von diesem Sturz, zeigte jedoch eine überraschende Gelassenheit. Sie lachte und sagte, dass der Sturz ihr überhaupt nichts ausgemacht habe.
Diese Reaktion war ein direkter Erfolg der vorangegangenen Arbeit: Durch die Hypnose und das mentale Training hatte Laura gelernt, dass ein Sturz zwar passieren kann, er aber nicht die übermächtige Kraft besitzt, sie weiterhin am Reiten zu hindern.
Trotz dieser anfänglichen Stärke berichtete Laura, dass sich nach dem Vorfall doch wieder ein wenig Angst eingeschlichen hatte. Der Sturz hatte zwar nicht die alte Panik ausgelöst, aber er war eine reale Bestätigung der Möglichkeit des Scheiterns und forderte die neu gewonnene mentale Stärke heraus.
Die Bewältigung und tiefe Arbeit
Genau dieser Moment, in dem sich trotz des positiven Fortschritts wieder eine minimale Angst meldet, ist der richtige Zeitpunkt für eine erneute Hypnose. Hier geht es darum, nicht nur die oberflächliche Angst vor dem Reiten zu adressieren, sondern den wahren Grund für die Angst zu identifizieren.
Mittels der Hypnose kann weit in die Vergangenheit gegangen werden, um die ursprüngliche Ursache des Kontrollverlusts (die Urangst, die im 7. Schritt identifiziert wurde) erneut zu benennen und endgültig zu bewältigen, damit der Sturz nicht zur psychischen Barriere wird.
Die Auflösung der Urangst: Hypnose als Dialog mit dem Unterbewusstsein
Um die tief verwurzelte Angst vor Kontrollverlust, die sich im Reiten manifestiert, final zu bewältigen, wird eine spezielle Form der Hypnose nach Erickson angewandt. Dabei handelt es sich nicht um eine reine Suggestionshypnose, sondern um einen Dialog mit dem Unterbewusstsein des Klienten.
Die Hypnose wird durch eine individuell abgestimmte Einleitung begonnen, um den Klienten in einen Trancezustand zu führen. Der eigentliche Prozess verläuft in mehreren Schritten:
1. Konfrontation und Eskalation der Angst: Der Klient wird aufgefordert, seine größte und schlimmste aktuelle Angstsituation (z. B. auf dem Pferd) detailliert zu beschreiben und diese Angst dann bewusst größer und intensiver werden zu lassen.
2. Rückführung zur Ursache: Anschließend wird der Klient gefragt, wann diese Angst zuvor schon einmal aufgetreten ist. Dieser Prozess der Rückführung wird so lange fortgesetzt, bis die Erinnerung in die Zeit des Kleinkindes führt – zu jener ursprünglichen Erfahrung des Kontrollverlusts (wie im 7. Schritt beschrieben).
3. Heilung durch das Erwachsene-Ich: Im Kern der Therapie findet ein Wechsel zwischen dem Kindheits-Ich und dem Erwachsenen-Ich statt. Das erwachsene Ich wird aufgefordert und befähigt, das damals hilflose Kind zu beschützen und die Situation neu zu bewerten.
4. Verankerung des Erfolgs: Abschließend wird ein Anker (z. B. eine Geste, ein Wort oder ein bestimmter Atemzug) verinnerlicht. Der Klient wird dazu aufgefordert, dieses gute Gefühl der Sicherheit und Kontrolle immer dann abzurufen, wenn er den Anker in der realen Situation (z. B. beim Reiten) verwendet.
Diese tiefgreifende Arbeit ermöglicht es, die ursprüngliche Blockade aus der Kindheit zu benennen und zu bewältigen, wodurch die Angst – wie bei Laura nach dem Sturz – auch in Krisensituationen ihre übermächtige Wirkung verliert.

Schritt 9
Die Belohnung der Transformation: Schritt 9 der Heldenreise für Laura und Julia
Der 9. Schritt der Heldenreise, die Belohnung (The Reward), ist der Moment, in dem die Helden – in diesem Fall Laura und Julia – die Früchte ihrer inneren Arbeit ernten. Sie haben die Katastrophe (Sturz, Angst vor dem Alleinsein) gemeistert und kehren mit einem Schatz zurück: der Unbeschwertheit und Freude am Reiten. Die Zeit mit dem Pferd wird nicht mehr als notwendiges Übel betrachtet, für das man Ausreden finden muss, sondern als Geschenk, das gewürdigt werden will. Der Angstreiter wird zum Heldenreiter.
Laura: Die Wiederentdeckung der Konzentration und des Flusses
Lauras Belohnung liegt in der Rückkehr in den Fluss der Bewegung und in der Fähigkeit, fokussiert zu bleiben. Sie hat gelernt, dass sie die Kontrolle über ihr inneres Erleben hat und dass die Angst vor dem Kontrollverlust sie nicht mehr steuern muss.
Transformation und Beispiele:
1. Vom Zwang zum Spiel (Fokus): Die vorherige ständige Angst, Shaman würde anhalten, ist verschwunden. Sie konzentriert sich nicht mehr darauf, was passieren könnte, sondern auf was sie jetzt tun will.
• Beispiel: Laura reitet eine Ecke und bemerkt, dass sie zum ersten Mal seit Monaten nicht ihre Haltung korrigiert oder sich innerlich entschuldigt, weil Shaman einen Schritt zu langsam war. Stattdessen ist sie ganz bei der Hilfengebung für die nächste Lektion, genießt die Biegung und fühlt, wie der Aktivierung des Parasympathikus durch die aktivierte Bauchmuskulatur des Pferdes (Ruhe und Gelassenheit) auch auf sie übergeht.
2. Genuss der Technik (Balance): Die Atem- und Sitzübungen sind nicht mehr eine mühsame Technik zur Angstvermeidung, sondern ein Werkzeug für höhere Reitkunst und Wohlbefinden.
• Beispiel: Während des leichten Sitzes im Galopp stellt sie sich bewusst die Kugel im Becken und die Perlenschnur der Wirbelsäule vor. Sie muss die Übung nicht mehr machen, um nicht nach vorne zu fallen, sondern um die Leichtigkeit und Federung im Sattel zu maximieren. Sie lacht im Galopp, weil sie merkt, wie synchron ihre und Shamans Bewegungen sind.
Julia: Die Freude der Autonomie und des eigenen Weges
Julias Belohnung ist die Freiheit der autonomen Bewegung. Sie ist aus der Abhängigkeit von der führenden Hand befreit und genießt es, eigene Entscheidungen im Sattel zu treffen. Die Visualisierung aus dem 8. Schritt hat sich in die Realität übertragen.
Transformation und Beispiele:
1. Mut zur Spontaneität (Autonomie): Die Angst, alleine einen Fehler zu machen oder nicht zu wissen, was als Nächstes zu tun ist, ist dem Vergnügen der Entscheidungsfreiheit gewichen.
• Beispiel: Julia reitet in der Bahn und hat eigentlich eine große Volte geplant. Plötzlich, mitten auf der langen Seite, fühlt sie sich so sicher, dass sie spontan eine kurze Parade reitet, wendet und in die entgegengesetzte Richtung trabt – einfach, weil sie Lust hat, die neugewonnene Kontrolle zu testen. Dieser Moment der unkontrollierten (im positiven Sinne) Entscheidung ist ihr tiefstes Glück.
2. Zeigen statt Erklären (Unbeschwertheit): Sie muss sich nicht mehr absichern, sondern kann die Zeit mit ihrem Pferd in vollen Zügen genießen.
• Beispiel: Julia beendet ihre Reiteinheit und bleibt noch einen Moment im Sattel sitzen. Sie spürt nicht den inneren Druck, absteigen zu müssen oder die Lektionen zu müssen. Stattdessen genießt sie das warme Gefühl ihres Pferdes unter sich, klopft ihm dankbar auf den Hals und genießt einfach die Stille und das Zusammensein. Die Reitstunde endet, weil sie will, nicht weil sie es muss.
Beide Klientinnen sind in Schritt 9 angekommen: Sie erleben die Unbeschwertheit und Freude als den wahren Schatz ihrer Heldenreise, wobei die Zeit mit dem Pferd zu einem gewürdigten Geschenk geworden ist.

Abschlussbericht:
Schritt 10: Die Rückkehr mit dem Elixier
Laura bringt nun konkret erprobte Tools in den Stallalltag ein. Vor dem Aufsitzen helfen kurze, fokussierende Atem- und Mentalrituale, Herz- und Atmung stabilisieren sich, Haltung wird zentrierter. Ihre Hilfengebung ist weich und konsistent; Vorhersehbarkeit durch klare Übergangsrituale gibt dem Pferd Sicherheit. Die Einheiten sind kürzer und strukturierter, mit definierten Pausen und gezielter Übergangsarbeit. Bodenarbeit und achtsame Übungen stärken Vertrauen und feine Kommunikation über Körper und Energie. Jede Maßnahme wird geprüft: Reduziert sie Stressindikatoren wie Taktstörungen, veränderte Atmung, Schweifbewegung oder Muskelspannung? Ergebnis: Laura vertraut sich selbst wieder, übernimmt die Zügel — auf dem Pferd und im Leben. Das alte Sturztrauma hat sich über das Jahr aufgelöst.
Schritt 11: Meisterin beider Welten — Freiheit mit Verantwortung
Die innere Stabilität verbindet sich mit pferdegerechter Führung. Reiterinnen lernen, subtile Stresssignale früh zu erkennen (Körpersprache, Takt, Atem). Sofortmaßnahmen sind simpel: Einheit anpassen, Pause machen, Übungen wechseln oder Intensität reduzieren. Jede Entscheidung richtet sich am physischen und psychischen Zustand des Pferdes aus. So entsteht Gleichwürdigkeit: reaktive Kontrolle weicht proaktiver Fürsorge.
Wie das Wohl des Pferdes systematisch Vorrang bekam (konkret)
Als Leitfrage diente: Dient das dem Pferd? Innere Arbeit — Hypnose, mentale Vorbereitung — reduzierte panikartige Reaktionen der Reiterinnen und damit Stressauslöser für die Pferde. Die Prozessgestaltung mit kurzen, klaren Einheiten, konsequenten Übergangsritualen und Pausen verhinderte Überforderung und Ermüdung. Im Umgang setzte der Fokus auf konsistente, sanfte Hilfen statt Druck; die Pferde zeigten mehr Bereitschaft und weniger Fluchtverhalten. Rückschläge wurden nicht ignoriert, sondern Anlass zur Anpassung — Tierwohl bestimmte das Handeln.
Konkrete, beobachtbare Indikatoren für Erfolg
- Ruhigere Übergänge, stabilerer Takt.
- Kürzere Erholungszeiten nach Übungen.
- Weniger Vermeidungsverhalten der Reiterinnen (keine Erklärungen/Entschuldigungen mehr vor Übungen).
- Pferde zeigen mehr Fokus und weniger Fluchtreaktionen.
- Stallklima: mehr Achtsamkeit, gemeinsame Verantwortung.
Kernaussage
Das Projekt verwandelte Angst in handhabbares Verhalten durch psychische Arbeit und pferdegerechte Praxis. „Liebe zum Pferd“ wurde operatives Kriterium: jede Intervention wurde am Tierwohl gemessen. Ergebnis: technisch versiertere Reiterinnen, messbar reduzierte Stressreaktionen bei Pferden und eine nachhaltige, respektbasierte Partnerschaft.
Persönliche Erkenntnisse
Beide Probandinnen merkten: Reiten ist nicht alles. Es macht keinen Sinn, einem Ideal hinterherzujagen, ohne die eigene Motivation zu kennen. Laura stand kurz davor, ihr Seelenpferd Sharman zu verkaufen, weil er nicht in ihr Raster passte. Heute ist sie froh, es nicht getan zu haben — Sharman zeigte ihr, was ihre wahre Motivation ist. Julia lernte: Wenn man die Zügel in die Hand nimmt, übernimmt man Verantwortung — nicht nur fürs Pferd, sondern fürs eigene Leben. Sie vertraute bewusst ihrer eigenen Stimme und stand für sich ein.
Pferde sind großartige Lehrmeister. Sie verdienen gesehen und respektiert zu werden. Eine partnerschaftliche Beziehung ist mehr wert als das blinde Hinarbeiten auf ein Ideal, das oft dem Ego dient statt dem echten Selbst.

